Train as you fight- ein Konzept, das im Bujinkan noch ankommen muss?
Den Weg des Kriegers zu gehen heißt in der interpretativen Sprache der Japaner vieles, doch es heißt vor allem eines:
Den Weg. Eines Kriegers. Zu Gehen.
Und das ist nicht zuletzt das Studieren der Kriegskunst.
Leider wird das – unabhängig von der Kampfkunst – nicht immer durchgesetzt.
Unabhängig vom Rang wird statt der vom jeweiligen Trainer vorgezeigten Technik lieber probiert, was man irgendwo schon mal in Japan oder einem Video gesehen hat. Einige meiner zahlreichen Verletzungen stammen von solchen „Versuchen“, welche dann scheiterten und durch reine Kraft übergangen wurden.
Ich muss mir dabei auch an die eigene Nase fassen. Ich bin definitiv zu wenig im Training, zu unmotiviert, nicht hart genug, zu langsam, zu wenig Feeling, zu schnell genervt (vor allem das!)…
Doch wir Kampfkünstler entwickeln viel zu früh eine Selbstsicherheit und fühlen uns nicht mehr „zu… (negative Eigenschaft hier einfügen)“, sondern vielmehr auf dem besten Weg. Doch Kämpfen heißt auch, sich stetig zu verbessern, zu verändern, anzupassen. Das Dojo ist kein Safe Space der guten Gefühle, sondern ein Ort des Trainings und Fortschritts. Vielleicht fehlt uns dabei das gesunde Regulativ des Freikampfes, welches einem die eigenen Grenzen ungeschönt aufzeigt, aber hierzu gleich mehr.
Im Training liegt es an jedem Einzelnen von uns, seine Stressresistenz aufzubauen, indem man sich fordert, anstrengt und an Grenzen geht. Gut, ich selbst bin alle paar Wochen verletzt, weil ich es übertreibe. Das sollte auch nicht das Ziel sein. Aber zwischendurch mal auch außerhalb von Tobi Kaiten seine Komfortzone zu verlassen heißt es sich zu verbessern.
Was bedeutet das nun im Detail?
Man könnte an der Trainingsschraube drehen. Mehr Randori (ein Argument, auf das Ihr von mir sicher schon gewartet habt 😉), bei Henka auch das Stresslevel hochschrauben (durch Geschwindigkeit, Kraft usw. des Uke). Klar. Diese Konzepte sind in SV Schulen und westlichen Kampfsportarten und -künsten ein klassisches Mittel zum Trainingserfolg.
Bei diesem Argument wird mir oft entgegnet, man mache ja eine Kampfkunst und deshalb verzichte man auf sowas, wie mir erst neulich in einer Diskussion mit einem Kampfkünstler einer verwandten japanischen Kampfkunst mitgeteilt wurde. Ich finde, man sollte sich darauf nicht so sehr versteifen. Ganz im „Spirit“ des Bujinkan sollte man beweglich und anpassbar bleiben. Und wenn Forschung oder Erfahrung zeigt, dass manche Trainingsmethoden für einen Erfolg im Realen unabdingbar sind, kann man diese ja zumindest mal intermediär implementieren.
Wenn man das nicht möchte, dann kann jeder an seiner eigenen Einstellung arbeiten: Setze ich mich jetzt wirklich schon raus? Mach ich wirklich schon die zwanzigste Liegestütze auf Knien (bei Männern versteht sich…)? Fang ich jetzt mit meinem Trainingspartner eine minutenlange Diskussion über zu hartes Training an, und wenn ja, ist es gerechtfertigt?
Die wenigsten Kampfkünstler sind Profisportler, es geht mir auch nicht darum, dass jeder mehr schwitzt und nach dem Training nicht mehr laufen kann. Aber es geht um die innere Haltung eines jeden von uns, das individuelle Ausloten von Grenzen, den „Warrior Spirit“ aufzubauen. Ob das nun ist, damit Ihr eines Tages zu eurer Familie nach Hause könnt, anstatt dass Ihr im Krankenbett aufwacht, oder nur, damit Ihr beim nächsten Vorstellungsgespräch, beim nächsten Schicksalsschlag, beim nächsten Mal auf Glatteis Ausrutschen besser gewappnet seid. Ich hoffe, dass Ihr das nicht in den falschen Hals bekommt. Jeder von uns hat außerhalb des Trainings ein gigantisches Privatleben und kann es sich nicht leisten, dort auszufallen. Wir sind auch keine professionellen Kämpfer, die ihr Geld damit verdienen oder ihr Können in die Dienste der Gesellschaft stellen. Das Credo dieser Gruppen könnten sich die Kampfkünstler jedoch wieder vergegenwärtigen:
Train as you fight, sagt der Amerikaner. Trainiere so, wie du kämpfst.
Für uns heißt das: Hart aber kontrolliert, mit unverrückbarem Herzen und doch biegsam wie eine Weide.