Japan REVIVAL, Intensivtraining mit Shidoshi Edmund Wasinger
Am Samstag, den 07. April lud Edi zu einem besonderen Intensivtraining ein, dem Japan REVIVAL! Wir haben an diesem Nachmittag drei Stunden nach „japanischer Art“ trainiert und Edi hat uns einige Unterschiede zwischen dem Training in Japan und unserem Wakagi-Training veranschaulicht.
Das Aufwärmen:
In Japan ist es eher unüblich, vor dem eigentlichen Training ein gemeinsames Aufwärmen durchzuführen; sobald der Lehrer anwesend ist, beginnt man dort sofort mit dem Training. Außer z.B. bei Furuta Sensei, dessen (kurzes) Aufwärmtraining wir gemacht haben – bestehend aus je zwei Runden Mae Kaiten / Koho Kaiten und einigen Fudoken Tsuki aus Shizen – und Ichimonji no Kamae (hier nicht zu vergessen, dass der Ellenbogen nicht komplett durchgestreckt werden sollte).
Das Training:
Edi hat berichtet, dass wir, im Gegensatz zu den Japanern, vergleichsweise hart trainieren!! (Gut, die Lehrer in Japan sind jetzt auch nicht mehr blutjung, vielleicht liegt es daran.) Ich habe mir das eigentlich eher anders herum vorstellt, dass unser Training im Vergleich zum japanischen eher „sanft“ ist… so kann man sich irren!!
Außerdem hat Edi von Shiraishi Sensei berichtet, der einem ganz ohne Druck und Kraft das Gleichgewicht (Kuzushi) bricht. Das war dann auch unsere erste Übung, ich nenne das mal Shuko-Feeling-Extreme*! Kumiuchi – ABER: Greifen, ziehen, drücken, Uke sollte all das gar nicht wahrnehmen, bis ihm plötzlich der Halt fehlt und er quasi in die Leere fällt. Leichter gesagt, als getan… das war für uns alle, glaube ich, mit die am schwersten durchzuführende Übung. Wenn man sich aber an die Reihenfolge, footwork – spinework – handwork, hält, dann hat man eine Chance, Ukes Kuzushi mit dem Shuko-Feeling-Extreme zu brechen!!
Dem folgten Kata Mune Dori aus der Sabaki Gata und Seoe Gakari.
Als nächstes ging es dann an die Bokken bzw. Iaito – Dai Sho Sabaki Gata war das Thema. Hier haben wir gelernt, dass man nicht nur nach vorne, hinten, oben oder zur Seite springen kann… es geht auch nach UNTEN! Aber nicht von einer Erhöhung aus; Greift Uke von oben an, springt man ihm „einfach“ entgegen und landet aber auf einem Knie. Und die Beine sollten in rechtem Winkel zueinanderstehen oder zumindest ein Dreieck bilden, damit man auch Stabilität hat.
Weiterhin wurde uns gelehrt, wie man das Katana und das Wakizashi korrekt trägt: Der traditionelle Obi ist mehrlagig, daher wurden die Schwerter in den unterschiedlichen Lagen getragen – das Katana seitlich, ganz nah am Körper, in der ersten Lage und das Wakizashi in der zweiten – so konnte man die (wertvollen) Sayas vor gegenseitigem Zerkratzen schützen. Außerdem war der Griff des Katanas mittig in Höhe des Solarplexus positioniert, während das Kurzschwert (je nach Länge) mittig vorm Körper oder seitlich leicht versetzt zum Katana getragen wurde. Edi hat uns, abgesehen vom richtigen Übergeben eines Schwertes und der korrekten Grundhaltung dessen, auch erklärt, dass man das Katana immer mit dem Schwertrücken an der Saya entlang zieht und zurückführt. Dies soll verhindern, dass man mit der Klinge die Saya innen irgendwann “durchreibt” und die Schneide dadurch abstumpft. Manche Sayas haben eine extra “Einkerbungen” um dies zu Erleichtern.
Alles in allem haben wir alle dieses Intensivtraining wirklich genossen! Ich habe vieles über sanftes Impulse setzen, dem An- und Entspannen meiner Muskulatur dabei und auch einige Schwertgrundlagen gelernt, notiert und mitgenommen.
Vielen Dank für dieses tolle Intensivtraining! Wir hoffen auf einen Japan REVIVAL Intensivtraining Part II
Nadeem
*Shuko-Feeling: Wenn man die Handkrallen trägt, kann man Uke nicht richtig greifen, daher ist es eher ein Auflegen der Hände, wenn man nicht gerade mit den Krallen in der Haut versinken will ;) Und das „Extreme“, weil wir noch wesentlich sanfter in unseren Bewegungen und Berührungen sein sollten.